8. Die Oktave und die Seelengeste Feierlich
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Heute kommen wir zum achten Ton der Tonleiter, der Oktave. In ihr finden wir die Verwandtschaft zur Seelengeste Feierlich.

Die Seelengeste Feierlich
Die mit der Oktave in Verbindung stehende Eurythmiefigur „Feierlich“ hat einen scheinbar sehr strengen und wie von aussen geformten Gestus. Oder entsteht sie aus etwas ganz anderem?
Die Bezeichnung der Farben ist sehr speziell:
- Blauviolett, Haltung: Sehr geometrisch: viele rechte Winkel, vertikale und horizontale Linien und ganz in die Fläche gelegt.
- Dunkelrot, Temperament: Mehr räumlich und Hülle bildend.
- Hellrot, Empfindungsimpuls: Die Gliedmaßen von innen durchdringend, richtend und streckend.
Die Figur der Seelengeste Feierlich wirkt äusserlich betrachtet fast wie ein Polizist auf der Verkehrskreuzung:
- Beine streng parallel, dünn und lang gestreckt,
- linker Oberarm horizontal zur Seite, linker Unterarm vertikal, die Hand gestreckt, nach aussen weisend
- Rechter Oberarm senkrecht eng am Körper, rechter Unterarm horizontal, Hand gestreckt nach oben weisend
- Das ganze stark in der Fläche, die Füße nach rechts und links offen.
Doch wie ist das, wenn wir diese Figur aus der Oktave entstehen lassen?
Einstimmung
Ich nehme mir Zeit, um bei mir anzukommen. Ich lade sie in meine Hände ein, als wäre sie eine Substanz, und führe sie zu meinem Herzen.
Ich benutze meine Sinne, um das Innere wahrzunehmen: das Weben des Atems, die Rhythmen des Herzens, den Raum des Brustkorbs bis zu den Schulterblättern.
Bis das Innere sich wahrgenommen fühlt, reagiert, sich ausdehnt, den Brustkorb leicht macht und ihn hebt.
Diese Leichtigkeit und ihre Wärme lasse ich überfließen und herabströmen und geleite sie bis tief in die Erde hinein.
Ich spüre, wie mich das von alleine aufrichtet und groß macht. Und wie die Fersen leicht werden.
Prim und Andacht (Wiederholung)
Die Anfangsübung erinnert an das erste Intervall der Tonleiter, die Prim:
- Der Herzraum, das Schlüsselbein, der Schultergürtel, füllen und heben sich, sie sind wie das Dach eines Hauses DO
- Der Körper darunter ist das Haus – schmal und aufrecht – das von seinem Dach beschützt und durch die Zeit getragen wird. DO
- Die Prim ist wie ein langsames H mit den Schlüsselbeinen, den Schultern (DO) und ein U mit dem Körper (DO).
Passend dazu fanden wir die Seelengeste der Andacht:
- ein leichtes, hellblaues Weiten der Schultern ins Licht,
- ein mit den Armen im innigen Violett zurückkommen,
- ein U zwischen den Händen bildend
- und es vom Herzen aus fühlen.
Die Oktave
Mit der Oktave kommt die Prim als achter Ton auf einer neuen Stufe wieder. Am Ende des Wege begegne ich mir wieder selbst – neu.
DO-RE-MI-FA-SOL-LA-SI-DO
Die Oktave ist die Erhöhung der Prim. Das Sehsüchtige, das Lauschende der Septim wandelt sich in ein geheimnisvolles Empfangen:
DO – SI – DO
Nimm für die Oktavgebärde deine beiden Hände, als würdest du sie um eine wunderschöne Kugel bewegen. Geheimnisvoll, schwerelos, durchsichtig – und empfinde das mit deinem Herz. So empfängst du die Oktave!
Gehe mit den Armen noch einmal Glied für Glied durch die Intervalle und erinnere dich, wofür die einzelnen Glieder stehen. Wohin führen Sie uns?
DO: Mein Haus
RE: Ich mache mich auf den Weg.
MI: Ich erfreue mich an dem Garten der Natur.
FA: Von der Grenze schaue ich zurück.
SOL: Ich öffne das Tor, es wird Licht
LA: Ich kann mich bewegen im freien Raum des Lichtes.
SI: Die Sehnsucht weitet, die Ohren gehen auf.
DO: Was ist das, was wir da empfangen? Was geschieht da?
Die Oktave hat Wurzeln
Um wirklich frei in diese Höhe steigen zu können, machen wir in der Eurythmie dasselbe, was auch die Sänger tun. Wir gehen nach unten, und zwar genauso weit, wie die Oktave nach oben geht.
Ströme vom Herzen hinunter, immer tiefer. Merkst du, dass dich das hebt und sogar auf die Zehen bringen kann? Benutze die Fingerspitzen, um mit dem Körpergefühl im tiefer hinunterzukommen. Und noch tiefer. Lasse zu, dass der Gengenstrom dich hebt!
DO-DO
Bemerkst du, wie die Höhe bleibt, wenn du zum Herzen zurückkommst?
DO-DO-DO
Geht das auch, wenn du die Händen im Gegenstrom nach oben steigen lässt und dort die empfangende Oktav-Gebärde machst?
DO-DO-DO
Kannst du auch spüren, wie die Oktav-Gebärde nach dem Empfangen den Kontakt zum Hinterraum sucht, unserem inneren Lichtraum?
DO-DO-DO
Und wie danach der ganze Umkreis klingt?
DO-DO-DO
J-H-W-H: Wie oben so unten
Es gibt ein Wort im Hebräischen, von dem man sagt, dass man es eigentlich gar nicht aussprechen soll. Es besteht aus vier Buchstaben: J-H-W-H.
Im Hebräischen sind alle Buchstaben Namen mit Bedeutung:
Das Jod ist ein aus dem ganzen Körper entstehendes «I».
Jod heisst: der göttliche Funke. «J» Das ist der Mensch.
Das H heisst Hej und meint: Fenster ins Göttliche. «H»
In der Eurthymie erleben wir das W als tragende, wellende Kräfte. Im Hebräischen heisst es Waw und bedeutet: Haken, der etwas zusammenhält, eine Verbindung herstellt, wo etwas getrennt ist.
Diese vier Buchstaben bilden den Namens des hebräischen Gottes Jahweh:
J — der göttliche Funke
H — ein Fenster
W — die tragende Welle
H — noch ein Fenster
Das kann uns an etwas erinnern:
J-H — das Lichtdreick
W-H — das Schweredreick
Oder in Tempelsprache: «Wie oben, so unten»
J-H — Wie oben...
W-H — ...so unten
genau wie bei der Oktave!
DO-DO-DO
Oktave und Feierlich
Bilde die Oktave zuerst ganz in deiner Gestalt, indem du zuerst mit deiner Bewegung die Fülle unter dir erspürst und dadurch auch die Höhe erlebst.
Wir achten zuerst auf den linken Arm: Gehe so in die Oktave, dass du zuerst mit dem rechten Arm die Tiefe erspürst (DO) und dann mit der Linken nach oben gehst und die empfangende Oktavgebärde entstehen lässt (DO).
- Verbinde deinen oberen linken Arm mit dem Hinterraum
- Spüre mit der Handfläche in den Aussenraum
- Lass den Unterarm still lauschend ganz langsam vertikal bis zur Horizontale herunterkommen.
- Spüre den rechten Winkel.
Nun achten wir auf den rechten Arm: erspüre mit dem rechten Arm die Tiefe (DO) und mach wieder mit der Linken die Oktave (DO).
- Verbinde deinen unteren Arm mit der Fülle der Tiefe
- Spüre mit seiner Handfläche in ihren Innenraum
- Lass den Unterarm langsam und lauschend in einem Bogen bis zur Horizontale sich heben.
- Spüre, was er mitbringt und den rechten Winkel.
Kannst du den linken Arm so langsam sinken lassen, dass er zusammen mit dem aufsteigenden in der Horizontalen ankommt.
- Ganz langsam verbunden mit dem Licht links heruntersinkend,
- Ganz ruhig aus der Fülle der Tiefe in deinem Innern aufsteigend.
DO – DO – DO
Kannst du das auch, wenn du die Oktave oben mit beiden Händen bildest? Also links sie noch langsamer Millimeter für Millimeter herunterführend und rechts erst in einem grossen Kreisbogen in die Tiefe sinkend, um dann von dort aufzusteigen?
DO – DO – DO
Gehen wir noch einmal durch die ganze Tonleiter, bis wir mit der Quinte Imagination erleben, mit der Sexte Inspiration durchschreiten, mit der Septime Intuition ahnen und uns fragen: Was kommt jetzt?
DO–RE–MI–FA – die Grenze der Welt ist erreicht.
SOL – Es werde Licht - Imagination,
LA – Flügel – Inspiration,
SI – Lauschen – Intuition.
DO – Was kommt jetzt?
FEIERLICH
Wie erlebest du jetzt den roten Mantel der Seelengeste Feierlich?
DO-RE-MI-FA-SOL-LA-SI-DO – FEIERLICH
Abschluss
Setze dich langsam hin und lausche dem Nachklang.
Anhang (nicht im Video)
Zum Unterschied von links und rechts
Zuerst mach dir zuerst noch einmal das unterschiedliche Empfinden in deiner rechten und linken Säule bewusst.
Mach einen kleinen Schritt nach rechts, bring die Hüfte und Schulter über das Bein und spüre dann deine rechte Säule und entspanne dabei die linke Seite. Rechts ist die archetypisch vielleicht als männlich zu bezeichnende Säule, die Top-down-Säule.
Komm zurück in die Mitte.
Mach einen kleinen Schritt nach links, bring die Hüfte über das linke Bein, die Schulter darüber und spüre dann deine linke Säule. Wie fühlt sich diese Säule an, die archetypisch als weiblich bezeichnet werden könnte: intuitiv, aufnehmend, am Innerlichen orientiert?
Und dann wieder in der Mitte
Findest du eine Verbindung und kannst du dies berücksichtigen, wenn du aus der Oktave die Seelengeste der Feierlichkeit entstehen lässt?


















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