3. Die Terz und die Seelengeste Innigkeit
Bookmarks
Zum wörtlichen Mitlesen - klicke beim Video auf "Transcript" (automatisch erzeugt).
Zum Lesen des Vorbereitungs-Skripts nach unten scrollen.
Bei letzten Mal haben wir uns mit der Sekunde, dem zweiten Ton der Tonleiter, und dem Hervorbringen von Gedanken beschäftigt. Heute gehen wir einen Schritt weiter zum dritten Ton – der Terz, die mit dem A, dem Empfangen, zusammenhängt, und werden die Terz mit der Eurythmiefigur der Innerlichkeit verbinden.

Vorübungen
Licht und Schwere
Beginnen wir zuerst mit der Ur-Polarität des Menschen, der zwischen Himmel und Erde steht – zwischen Schwere und Leichte.
Wir nehmen uns Zeit, um bei uns anzukommen. Wir spüren durch die Sinne des Körpers in unsere Brust hinein, nehmen wahr, wie das Innere reagiert, sich ausdehnt, überquillt und langsam abströmt, ohne dass die Fülle verloren geht. Davon werden wir leicht und aufgerichtet.
Aus dieser Tiefe bilden wir das sogenannte Lichtdreieck. Es macht uns leicht, beweglich, aber auch ein wenig labil – wie einen Baum im Wind. „Licht strömt aufwärts.“
Auf der anderen Seite bilden wir, vom Kopf nach unten, links und rechts abströmend, ein Dreieck aus Schwere, das uns stabil, dauerhaft, gegründet werden lässt: „Schwere lastet abwärts.“
Als Menschen tragen wir beides in uns – das Dreieck aus Licht und das Dreieck aus Schwere – und bringen beides in ein dynamisches Gleichgewicht, indem wir es wahrnehmen, atmen, lösen:
„Licht strömt aufwärts – Schwere lastet abwärts.“
Auf- und Abstrom
Wenn wir mit den Armen aufströmen und uns dabei selbst spüren, fühlen wir am Ende unsere Füsse. Wenn wir abströmen, werden wir zum Schluss weit und gross. Aufströmen – Abströmen. Ein Sich-Gründen in der Erde, im Raum der Götter.
Vorne und Hinten
Als körperliche Wesen in Raum und Zeit leben wir auch stark in der Achse von vorne und hinten. Wir bewegen uns auf die Dinge zu und von ihnen weg:.
Spüre mit den Händen nach unten, gib etwas Kraft und Spannung in die Hände, schiebe deinen Energiekörper ein wenig nach vorne, sodass die Beine fast hinterherlaufen. Lasse die Arme los, lass sie nach oben steigen, spüre nach hinten und merke, wie die Arme dich oben ganz sachte nach hinten ziehen. Loslassen, atmen.
Unten nach vorne, oben zurück. Mach es so, dass du immer gezogen wirst – du holst es nie ganz ein. Du hältst dem Esel das Heu hin, und der Esel läuft dem Heu hinterher. Du hältst deine Segel in den Wind, und der Wind bringt dich zurück.
Weltenraum und Seelenraum
Wir leben mit unserer Leiblichkeit im äusseren Raum, der uns umgibt – einer Welt voller Gedanken. Doch die Philosophie der Freiheit beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen äusserem Weltenraum, dem Kosmos, und unserem inneren geistig-seelischen Raum. Wo finden wir diesen inneren Raum?
Terz (Mi)
Wenden wir uns nun der Terz zu. Wir spüren den Schultergürtel (Do) wie das Dach eines Hauses. Wir gehen vom Schlüsselbein in den Oberarm (Re). Wir gehen weiter in den Unterarm (Mi). Diesen dritten Ton nennen wir „Terz“. Gleiten wir noch einmal durch die Glieder unserer Arme hinaus bis in die Terz: Schlüsselbein (Do), Oberarme (Re), Unterarme (Mi).
Bemerkt, dass dieses Durch-die-Glieder-Gehen eigentlich ein zartes Weitwerden und Sich-Heben ist. Auch dieses Sich-Heben gründet uns. Aber weniger in der äusseren Welt, sondern mehr in unserer Seele - in unserem Ich.
Der Garten der Seele
Mit der Terz betreten wir den Garten der Seele:
Mit dem Do bin ich in meinem Haus. (Do)
Mit dem Re trete ich durch die Haustür hinaus. (Re)
Mit dem Mi gehe ich durch meinen Garten - bis zum Gartenzaun. (Mi)
Ich komme zurück und geniesse die Rosen. (Mi)
Ich gehe wieder hinaus, bewundere den Teich. (Mi)
Und die Blumen auf meiner Wiese. (Mi)
Spürt, wie dieses Weben im Garten eurer Seele euch ganz zart hebt, lasst es zu: Do, Re, Mi – Mi – Mi.
Vokal A
Zur Terz gehört der Vokal A: Geht mit den Fingerspitzen vor das Herz. Benutzt die Kräfte eures Herzens, um langsam die Finger nach vorne zu bringen. Beginnt, durch die Arme zu strahlen – zu den Bäumen, den Regenbogen, den Sternen. Tastet noch ein wenig weiter hinter die Dinge, bis von dort ein feiner Rückstrom entsteht, der durch die Arme in euch einströmt, euch innerlich berührt, bis ihr von alleine auf die Fersen zurückkommt und gut mit der Erde verbunden seid und von dort aus eine innere Kraft und Stärkung des Rückgrats bekommt. Lösen. Atmen.
Ich öffne mich
vom Herzen hinausströmend,
die Arme durchstrahlend,
die Dinge berührend,
um zu empfangen: A – innerlich empfangen: A – aufrichtend empfangen: A.
Innigkeit
Aus einem solchen innerlichen Empfangen entsteht die Eurythmiegebärde „Innig“. Wenn ihr die Figur anschaut, werdet ihr sehen: Die beiden Arme sind parallel. Der Zeigefinger und der Daumen berühren sich zart. Es ist, als würde man auf ganz feine, empfindsame Art ein Kind auf den Armen tragen und – in gehobener Stimmung – mit herzinniglichem Blick betrachten. Bis in das aktive Leichtwerden der Füsse spürt ihr das.
Terz ➔ A ➔ Innigkeit
Geht mit dem Empfinden der Terz in euren Garten: Do – Mi.
Öffnet euch in ein ganz zartes, empfangendes A.
Kehrt zurück in die Innigkeit des Terzgefühls: Innigkeit.
Spürt, wie in diesem Empfangen – in eurem Liebesblick – ein Kind geboren wird.
Do – Re – Mi – Mi.
Spürt euren Herzraum.
Öffnet den Herzraum: A.
Und empfangt im Herzraum: Mi.
Innigkeit
Ein letztes Mal: Do – Mi – A – Mi.
Was empfange ich? Was habe ich empfangen?
Nachlauschen
Bitte setzt euch langsam hin, nehmt mit, was der Körper gespürt hat, und lasst es nachklingen – im innerlichen Lauschen. Wie tut das, was wir gerade getan haben?


















0 comments
Leave a comment