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3. Die Terz und die Seelengeste Innigkeit

Das letzte Mal haben wir uns mit dem Hervorbringen von Gedanken beschäftigt. Dem Willen, den wir in der musikalisch, in der gesund, in der Sekunde gefunden haben und im Körper in dem Oberarm. Und das hat uns dann zu dieser Orythmiefigur auch der Verzweiflung geführt. Und heute gehen wir aber einen Schritt weiter vom Oberarm zum Unterarm. Dem der dritten Stufe in der Musik, der Terz.
Und die führt uns zu dieser Seelengeste der Innigkeit. Ich lade euch ein, mitzumachen. Breite die Arme ein wenig aus und nimm dir Zeit, bei dir anzukommen. Spüre mit deinen Sinnen in dich hinein, in deine Brust, deinen Atem. Lass dein Inneres reagieren und weit werden.
Und langsam überfließen den Körper entlang in die Erde. Tief in die Erde und spüre, wie dich das auch aufrecht und groß macht. Entspanne dich, mach einen Schritt, atme. Von dort unten aus der Tiefe lass ein Dreieck aus Licht entstehen. Das dich leicht macht und beweglich wie einem Baum im Wind.
Und lass langsam los und bilde vom Kopf ein Dreieck zur Erde nach rechts und links. Und spüre die Stabilität und Festigkeit, die entsteht. Und dann lass los und atme. In dieser Polarität zwischen Leichte und Schwere verbringen wir unser Leben und suchen den Ausgleich dazwischen. Noch einmal das Dreieck aus Licht und Leichte.
Und gleichzeitig das Dreieck vom Kopf zu den Füßen der Schwere und Festigkeit. Und versuche selbst ein Gleichgewicht, ein atmendes Gleichgewicht zu finden. Und langsam loslassen. Geh mit den Händen tief in die Erde und strömen nach oben. Spürst Du, dass dich das in die Füße bringt?
Und Ströme mit den Händen nach unten. Spürst Du, wie dich das aufrichtet? Langsam loslassen ein kleiner Schritt. Noch einmal aufströmen und merk, wie dich das in der Erde verwurzelt. Und abströmen.
Und spür, wie dich das auch aufrichtet und starkmacht. Und lösen und atmen. Hier verwurzeln wir uns in der Erde. Gehen wir weiter zur Musik. Spüre deinen Schultergürtel wie das Dach deines Hauses.
Und deinen Körper wie das Haus. Und dann geh von deinem Schultergürtel in den Oberarm. Und dann in den Unterarm. Und dann stopp. Und lösen.
Atmen kleiner Schritt. Vom Schlüsselbein, Oberarm, Unterarm, Merkt ihr, dass diese Bewegung mich innerlich weit macht und innerlich sogar etwas hebt? Versucht, bei diesem innerlichen Heben den Körper ein wenig mitgehen zu lassen. Wo gründet, wo verwurzelt mich dieses Erleben? Noch einmal mit dieser Frage.
Umblößen. Man kann sich die Terz vorstellen wie den Garten vor einem Haus, Wie den Garten, an dem sich meine Seele erfreut. Stell dir vor, Du bist in deinem Haus. Dann trittst Du durch die Tür hindurch auf die Veranda. Und dann gehst Du weiter durch den Garten bis zum Gartenzaun und Du kommst wieder zurück.
Und Du genießt die Blumen in deinem Garten, die Bäume, die frische Luft, und lösen. Also versuche, diese Terz wie den Garten deiner Seele zu durchwandern. Gehen wir direkt hinein. Zur Terz gehört das a. Die Vokale sind Herzlaute.
Bring deine Finger vor das Herz, sodass sie nach vorne schauen. Benutze die Kraft von deinem Herzen, damit die Finger nach vorne zu schieben. Strahle mit der Kraft deines Herzens durch die Arme zu den Dingen und vielleicht sogar noch ein bisschen dahinter. Und dann lass die Antwort der Dinge hereinströmen, dass sie durch die Arme ein Einstrom kommt, der dich leicht nach hinten bringt. Ah.
Und lösen. Ich öffne mich beim a, zu empfangen. Das Wesentliche beim a ist das Empfangen. Finger zum Herz, hinauswachsen, ankommen, tasten, empfangen. Das bringt mich auf die Fersen, das stärkt den Rücken.
Und lösen. Und dieses Empfangene würdig zu empfangen, machen wir die Gebärde der Innigkeit, die auch zur Terz gehört. Die Arme sind parallel, leicht gebogen, Zeigefinger und Daumen berühren sich zart. Die Unterarme fühlen sich an, als würden sie ein Kind auf ihren Armen tragen. Mein Herz ist in Liebe zu diesem Kind gewendet und mein Blick folgt dem Blick meines Herzens.
Und ich fühl im ganzen Körper wie darin Leichtigkeit und Zartheit entsteht. Bis in die Füße und lös. Machen wir Diktärz, dann das a und dann die Innigkeit wie eine Geschichte. Empfangen. Und das Empfangene Aufnehmen.
Atmen, kleiner Schritt. Ich trete aus meinem Haus in meinen Garten. Ich öffne mein Herz für die Weite der Dinge. Ich empfange aus dieser Weite und nehme es auf. Ich bereite den Garten.
Ah, Ähnlichkeit. Was nehme ich auf? Was habe ich aufgenommen? Noch ein letztes Mal mit dieser Frage und dann langsam hinsetzen. Ähnlichkeit.
Was habe ich aufgenommen? Frage dein Herz. Langsam lösen, Entspannen, atmen, kleiner Schritt. Und dann ganz langsam zum Platz gehen, damit das, was wir getan haben, gut mitkommen kann. Und einen Moment nachspüren.

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Bei letzten Mal haben wir uns mit der Sekunde, dem zweiten Ton der Tonleiter, und dem Hervorbringen von Gedanken beschäftigt. Heute gehen wir einen Schritt weiter zum dritten Ton – der Terz, die mit dem A, dem Empfangen, zusammenhängt, und werden die Terz mit der Eurythmiefigur der Innerlichkeit verbinden.

Bäschlin EuFig Seelengeste Innig

Vorübungen

Licht und Schwere

0 Licht-Schwere-MenschBeginnen wir zuerst mit der Ur-Polarität des Menschen, der zwischen Himmel und Erde steht – zwischen Schwere und Leichte.

Wir nehmen uns Zeit, um bei uns anzukommen. Wir spüren durch die Sinne des Körpers in unsere Brust hinein, nehmen wahr, wie das Innere reagiert, sich ausdehnt, überquillt und langsam abströmt, ohne dass die Fülle verloren geht. Davon werden wir leicht und aufgerichtet.

Aus dieser Tiefe bilden wir das sogenannte Lichtdreieck. Es macht uns leicht, beweglich, aber auch ein wenig labil – wie einen Baum im Wind. „Licht strömt aufwärts.“

Auf der anderen Seite bilden wir, vom Kopf nach unten, links und rechts abströmend, ein Dreieck aus Schwere, das uns stabil, dauerhaft, gegründet werden lässt: „Schwere lastet abwärts.“

Als Menschen tragen wir beides in uns – das Dreieck aus Licht und das Dreieck aus Schwere – und bringen beides in ein dynamisches Gleichgewicht, indem wir es wahrnehmen, atmen, lösen:

„Licht strömt aufwärts – Schwere lastet abwärts.“

Auf- und Abstrom

Wenn wir mit den Armen aufströmen und uns dabei selbst spüren, fühlen wir am Ende unsere Füsse. Wenn wir abströmen, werden wir zum Schluss weit und gross. Aufströmen – Abströmen. Ein Sich-Gründen in der Erde, im Raum der Götter.

Vorne und Hinten

Als körperliche Wesen in Raum und Zeit leben wir auch stark in der Achse von vorne und hinten. Wir bewegen uns auf die Dinge zu und von ihnen weg:.

Spüre mit den Händen nach unten, gib etwas Kraft und Spannung in die Hände, schiebe deinen Energiekörper ein wenig nach vorne, sodass die Beine fast hinterherlaufen. Lasse die Arme los, lass sie nach oben steigen, spüre nach hinten und merke, wie die Arme dich oben ganz sachte nach hinten ziehen. Loslassen, atmen.

Unten nach vorne, oben zurück. Mach es so, dass du immer gezogen wirst – du holst es nie ganz ein. Du hältst dem Esel das Heu hin, und der Esel läuft dem Heu hinterher. Du hältst deine Segel in den Wind, und der Wind bringt dich zurück.

Weltenraum und Seelenraum

Wir leben mit unserer Leiblichkeit im äusseren Raum, der uns umgibt – einer Welt voller Gedanken. Doch die Philosophie der Freiheit beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen äusserem Weltenraum, dem Kosmos, und unserem inneren geistig-seelischen Raum. Wo finden wir diesen inneren Raum?

Terz (Mi)

Wenden wir uns nun der Terz zu. Wir spüren den Schultergürtel (Do) wie das Dach eines Hauses. Wir gehen vom Schlüsselbein in den Oberarm (Re). Wir gehen weiter in den Unterarm (Mi). Diesen dritten Ton nennen wir „Terz“. Gleiten wir noch einmal durch die Glieder unserer Arme hinaus bis in die Terz: Schlüsselbein (Do), Oberarme (Re), Unterarme (Mi).

Bemerkt, dass dieses Durch-die-Glieder-Gehen eigentlich ein zartes Weitwerden und Sich-Heben ist. Auch dieses Sich-Heben gründet uns. Aber weniger in der äusseren Welt, sondern mehr in unserer Seele - in unserem Ich.

Der Garten der Seele

Mit der Terz betreten wir den Garten der Seele:

Mit dem Do bin ich in meinem Haus. (Do)
Mit dem Re trete ich durch die Haustür hinaus. (Re)
Mit dem Mi gehe ich durch meinen Garten - bis zum Gartenzaun. (Mi)
Ich komme zurück und geniesse die Rosen. (Mi)
Ich gehe wieder hinaus, bewundere den Teich. (Mi)
Und die Blumen auf meiner Wiese. (Mi)

Spürt, wie dieses Weben im Garten eurer Seele euch ganz zart hebt, lasst es zu: Do, Re, Mi – Mi – Mi.

Vokal A

Zur Terz gehört der Vokal A: Geht mit den Fingerspitzen vor das Herz. Benutzt die Kräfte eures Herzens, um langsam die Finger nach vorne zu bringen. Beginnt, durch die Arme zu strahlen – zu den Bäumen, den Regenbogen, den Sternen. Tastet noch ein wenig weiter hinter die Dinge, bis von dort ein feiner Rückstrom entsteht, der durch die Arme in euch einströmt, euch innerlich berührt, bis ihr von alleine auf die Fersen zurückkommt und gut mit der Erde verbunden seid und von dort aus eine innere Kraft und Stärkung des Rückgrats bekommt. Lösen. Atmen.

Ich öffne mich

vom Herzen hinausströmend,
die Arme durchstrahlend,
die Dinge berührend,

um zu empfangen: A – innerlich empfangen: A – aufrichtend empfangen: A.

Innigkeit

Aus einem solchen innerlichen Empfangen entsteht die Eurythmiegebärde „Innig“. Wenn ihr die Figur anschaut, werdet ihr sehen: Die beiden Arme sind parallel. Der Zeigefinger und der Daumen berühren sich zart. Es ist, als würde man auf ganz feine, empfindsame Art ein Kind auf den Armen tragen und – in gehobener Stimmung – mit herzinniglichem Blick betrachten. Bis in das aktive Leichtwerden der Füsse spürt ihr das.

Terz ➔ A ➔ Innigkeit

Geht mit dem Empfinden der Terz in euren Garten: Do – Mi.
Öffnet euch in ein ganz zartes, empfangendes A.
Kehrt zurück in die Innigkeit des Terzgefühls: Innigkeit.
Spürt, wie in diesem Empfangen – in eurem Liebesblick – ein Kind geboren wird.

Do – Re – Mi – Mi.
Spürt euren Herzraum.
Öffnet den Herzraum: A.
Und empfangt im Herzraum: Mi.
Innigkeit

Ein letztes Mal: Do – Mi – A – Mi.
Was empfange ich? Was habe ich empfangen?

Nachlauschen

Bitte setzt euch langsam hin, nehmt mit, was der Körper gespürt hat, und lasst es nachklingen – im innerlichen Lauschen. Wie tut das, was wir gerade getan haben?

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