6. Die Sexte und die Seelengeste Mitteilung
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Die Quint öffnete uns die Tür in eine andere Welt, und wir erlebten sie als Wendekraft in der Seelengeste Erkenntnis. Mit der Sext treten wir in diesen Raum hinein. Die dazugehörige Seelengeste ist die Geste der Mitteilung.
Einstimmung
Ich nehme mir Zeit, um bei mir anzukommen. Ich lade sie ein in meine Hände ein, als wäre sie eine Substanz, und führe sie zu meinem Herzen.
Ich benutze meine Sinne, um das Innere wahrzunehmen: das Weben des Atems, die Rhythmen des Herzens, den Raum des Brustkorbs bis zu den Schulterblättern.
Bis das Innere sich wahrgenommen fühlt, reagiert, sich ausdehnt, den Brustkorb leicht macht und ihn hebt. Diese Leichtigkeit und ihre Wärme lasse ich überfliessen und herabströmen und geleite sie bis tief in die Erde hinein.
Ich spüre, wie mich das von alleine aufrichtet und gross macht. Und wie die Fersen leicht werden.
Wiederholung der Tonfolge von der Prim bis zur Quinte.
Ich spüre meinen Schultergürtel, vor allem mein Schlüsselbein wie ein Dach (Do) und den Körper wie sein Haus (Do). Das Dach trägt sein Haus:
Do – Do.
Von dort gehen wir Glied für Glied bis in die Hände: Do – Re – Mi – Fa – Sol.
Beim Fa erleben wir das Zurückschauen vom Handrücken zu uns selbst.
Bei der Quint erleben wir den Sonnenaufgang: Die Hände heben die Sonne langsam über den Horizont, und diese erhellt den Raum vor uns.
Do – Re – Mi – Fa – Sol.
Die Sexte
Betrachte deine Hand: Die Quint aktivieren wir mit der Handfläche, die ihre Spannung leicht in die Finger ausstrahlen lässt, sodass diese mithelfen.
Mit der Sext gehen wir über den Körper hinaus. Wir erleben sie mit den Fingern – aber eigentlich ist es der Raum zwischen den Fingern. Weite deine Hände, spüre den Raum zwischen deinen Fingern und webe mit ihnen durch den Raum hinaus und wieder herein.
Das Hinausweben kannst du verstärken, indem du vom Daumen zum kleinen Finger gehst. Das Hereinkommen verstärkst du, indem du vom kleinen Finger wieder etwas zum Daumen wanderst. Das Wesentliche aber bleibt der Raum zwischen deinen Fingern.
Do – Re – Mi – Fa – Sol – La – La – La – La.
Du bist endgültig draussen, ausserhalb deiner Körperbegrenzung, angekommen – wach, fühlend und wahrnehmend.
Do–La, Do–La
Für die Musiker unter euch: Das Hinausgehende entspricht mehr der grossen Sext, das Hereinkommen mehr der kleinen Sext. Doch ich lasse es jetzt bei einem Ton.
Do–La, Do–La
Es ist wie bei einem Schmetterling: Bei der Quarte verpuppt sich die Raupe, bei der Quinte schlüpft er und zeigt seine Flügel – mit der Sext entfliegt er in die Freiheit.
Do – Re – Mi – Fa – Sol – La – La – La – La.
Versucht, dieses Freiheitsgefühl, das ihr draussen zwischen den Fingern spürt, diese Leichtigkeit der Finger und des Raumes zwischen ihnen auch im eigenen Inneren wahrzunehmen – als eigentliches Glückserlebnis dieses Intervalls.
Do–La
Gelingt es? Verändert sich dein Körpergefühl?
Do–La
Die Seelengeste der Mitteilung
Aus der Sexte entwickelt sich die eurythmische Seelengeste der Mitteilung.
Spür in dein Schlüsselbein und lasse dich mit deinen Fingern in die Leichtigkeit der Sext hineintragen. Und bemerke: Ich habe ja Flügel. Du fliegst mit ihnen in die Welt hinaus und wieder zurück. Du lässt sie steigen und sinken – vorne, hinten, seitlich – und spürst ihre Leichtigkeit und Freiheit wie eine vertraute Heimat.
Fühle mit deinen Flügeln und Händen weit in den hinteren Raum. Spüre deine Schulterblätter, die Hände, und bring dann den rechten Arm oben und den linken Arm unten nach vorne.
Mache es noch einmal und begleite mit deinen Flügeln das, was hinten war, nach vorne zum anderen. Spüre in dieser Bewegung nacheinander alle Intervalle: Schlüsselbein, Oberarm, Unterarm, Handgelenk und Hand. Mitteilung!
M
Diese Bewegung geht jedoch nicht nur in eine Richtung.
Wenn du die M-Geste kennst, dann weisst du: Das M ist beides – hinausströmen und hereinströmen – gleichzeitig. Sprich M und halte dir die Nase zu: Es geht nicht mehr. Du siehst: Das M ist der Meister der Gegensätze – offen und geschlossen zugleich.
Die M-Gebärde kann das ausdrücken, indem beide Arme wechselweise gehen: hinaus und herein. Noch feiner ist es mit beiden Armen parallel: Du strömst hinaus und merkst, es kommt auch herein. Du strömst herein und merkst, es geht auch wieder hinaus.
Das ist auch so bei der Seelengeste Mitteilung. Du entfaltest in der Stimmung der Sext deine Flügel. Du spürst nach hinten, verbindest die Bewegung mit deinem Herzen und bringst sie durch deine Mitte strömend nach vorne. Deine Flügel begleiten diesen Vorgang.
Du hast das Gefühl, du begleitest etwas zu einem Anderen – es kann ein Mensch sein, ein Wesen, eine Frage. Und von dort kommt etwas zurück – was ist es?
Die Seelengeste Mitteilung aus der Leichtigkeit der Sexte entstehen lassen
Spüre die Leichtigkeit der Sext, webe mit dem Raum zwischen den Fingern hinaus, ganz weit.
Do–La
Lasse deine Arme nach hinten strömen, erinnere dich deiner Körperlichkeit, spüre dein Herz und lasse sie durch das Herz zum Anderen strömen und ankommen.
Dann werden wir still und offen: Was kommt zurück? Erst dann sind wir wirklich in Kommunikation. Diese Begegnung inspiriert uns, unsere Gedanken werden wahr!
Bist du immer noch leicht?
In der Eurythmiefigur wird diese Leichtigkeit auf besondere Weise dadurch ausgedrückt, dass Fersen und Zehen sich dabei leicht vom Boden lösen und heben.
Probiere, was es braucht, dass die Leichtigkeit der Sext so in dir wirkt, dass sich Fersen und Zehen vom Boden lösen.
Do–La, Do–La
Es ist wie ein Dreiklang aus drei Sexten.
La – La – La
Machen wir zum Abschluss noch einmal die Sext, um zu erleben, was in ihr lebt und warum sie uns so erfreut.
Do – Re – Mi – Fa – Sol – La – La – La.
Abschluss
Setze dich langsam hin und lausche dem Nachklang.


















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