7. Die Septime und die Seelengeste Heiter
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Heute kommen wir zum siebten Ton der Tonleiter, der Septime. In ihr finden wir die Verwandtschaft zur Seelengeste Heiter.
Die Eurythmiegebärde der Heiterkeit
Seht die kleinen Füsschen, die wie kleine Wurzelspitzen unten balancierend auf der Erde tanzen, die erhobenen Hände mit Betonung der Achseln und das - durch den Schleier ausgedrückte - nach oben strebende Gefühl, das die Arme ganz lang macht, während das Kleid sich - und das ist wichtig - im Gegenzug nach unten ausdehnt.
Anfangsübung: Lichtdreieck
Ich lade euch ein, alle mitzumachen. Stell dich möglichst schmal mit den Füssen, geh mit den Fingern unter die Füsse und zeichne langsam links und rechts von dir ein aufstrebendes Dreieck. Es macht dich leicht, labil, aber auf geheimnisvolle Weise auch stabil. Der Wind weht durch die Krone der Bäume, und der Baum schwingt mit und geniesst es.
Nimm diese Leichtigkeit in deine Hände und lass sie langsam, langsam zu dir hereinströmen - in dein Herz. Lass diese Leichtigkeit sich im Herz entfalten, ausdehnen und dann langsam in dir nach unten fliessen: in die Erde hinein, tief in die Erde hinein.
Wie fühlt sich jetzt dein Brustkorb an? Wie leicht sind deine Fersen geworden? Atme, mach einen kleinen Schritt, entspann dich.
Prim bis Septime
Wir haben die ersten sechs Töne der Tonleiter kennengelernt als ein Schritt-für-Schritt-Gehen durch die Segmente unserer Arme - und indirekt auch durch unsere Beine, die das leise mitmachen.
Bei der Prim spüren wir das Schlüsselbein und den Körper, der es trägt. DO-DO
Bei der Sekund gehen wir vom Schlüsselbein in den Oberarm: Wir treten einen Schritt aus dem Haus. DO-RE
Mit der Terz, dem dritten Ton, gehen wir vom Schlüsselbein in den Unterarm: Wir wandern durch den Garten vor unserem Haus. DO-MI
Mit der Quart gehen wir vom Schlüsselbein zum Handgelenk - und schauen durch den Handrücken von dort zurück. DO-FA
Bei der Quint wenden wir die Hände und spüren es bis ins Schlüsselbein: Wir treten durch das Gartentor hinaus. DO-SOL
Bei der Sext spüren und bewegen wir den Raum zwischen den Fingern. Von Schlüsselbein ausgehend verlassen wir den Körper. DO-LA
Und bei der Septime verlassen wir auch noch den Raum zwischen den Fingern und gehen über die Fingerspitzen, über die Hände hinaus. DO-SI
Weiter geht es nicht. Wir haben unsere Grenze erreicht!
Die Septime jenseits der Finger
Streicht die Handfläche als den Ort der Quint.
Streicht den Raum zwischen den Fingern - am besten, ohne die Finger zu berühren, und ein bisschen darüber hinaus - die Sext.
Und jetzt spüre das Leben vor den Fingern: wie du dich danach sehnst und streckst. Deine Finger reagieren nur darauf. Da ist Leben - lass sie versuchen, das aufzugreifen - Septime.
Beispiel Schrank
Stell dir vor, du willst verreisen, und oben auf dem Schrank ist der Koffer. Aber der Schrank ist so hoch, dass du fast nicht raufkommst. Also gehst du ganz nah an den Schrank, streckst die Arme und gehst auf die Zehen. Aber es reicht immer noch nicht.
Dann benutzt du die Finger, damit sie dir helfen, am Schrank noch weiter hochzukrabbeln, um dann über die Kante zu greifen und hinter der Kante von der Seite den Koffer ein wenig nach vorne zu schieben. Noch ein Stückchen - und ah - plötzlich kommt er dir entgegen.
Dann musst du ganz schnell schauen, dass du ihn wirklich fängst und langsam herunterholst. Erst einmal bis zu deiner Mitte, weil du froh bist, dass du ihn hast, und dann stellst du ihn langsam hin.
Die Septime-Gebärde
Die Septime ist vielleicht die Phase unserer höchsten Realität. Wir sind im Zustand von Interesse, Leichtigkeit und in innerer Verbindung mit dem, wonach wir streben.
Schlüsselbein ➔ jenseits der Finger: DO-SI
Mach dir noch einmal bewusst: Du streckst dich nicht, sondern das da draussen, wonach du strebst, bringt dich in Bewegung. Da ist Leben. Das bewegt deine Finger - und du spürst es bis in dein Schlüsselbein.
Jenseits der Finger ➔ Schlüsselbein: DO-SI-SI
Und dann das Lösen ganz langsam machen, sodass dieses Perlen, das du gerade erlebt hast, in dich einzieht.
Bei Eurythmisten siehst du, dass sie bei der Septime die Hände und Finger kräftig schütteln. Das ist aber kein Schütteln von dir aus, sondern du bist so draussen, dass das Schütteln hereinkommt. Da draussen ist etwas, das schüttelt deine Finger. Je weiter wir hinausgehen, umso mehr strömt es auch herein.
Kräftig schütteln, aber von aussen - das heisst: dich immer mehr strecken und hereinlassen. DO-SI
Die Seelengeste der Heiterkeit
Korrespondierend zur Septime ist die Seelengeste Heiter. Heiterkeit ist innere Leichtigkeit, Weitung, die du geniesst und mit der du bewusst mitgehst.
Stelle dich hin, du fühlst Freude und lässt die Arme steigen in dieser Freude. Geniesse das Fliegen. Ah, so schön. Und dann wieder lösen.
Alles ist schwerelos, alles ist innerlich weit. Es hebt dich von allein. Du spürst den Wind unter den Achseln: Er streicht deinen Körper entlang, trägt und streichelt die Arme empor. Aussen ist Licht, Luft. Innerlich empfindest du Lust an deiner Leichtigkeit, du erwärmst dich an dir selbst.
Der Vokal "I"
Hinter jedem Intervall steht auch ein Vokal, eine seelische Klangqualität. Bei der Septime ist es das I. Nimm die Hände vor das Herz und bilde die Gebärde des I: ein Arm nach unten, der andere nach oben. Als innere Herzkraft - I - die den Arm streckt, nach unten und nach oben.
Und weil in der Eurythmie die Arme ja nur zeigen, was im Inneren passiert, findet das eigentliche Strecken im Inneren statt: vom Herzen nach unten, nach oben. I. Loslassen. Der Atem darf reagieren. Kleiner Schritt.
Beim I ist es wie bei einer Pflanze. Sie wächst eigentlich in die Erde, und was sie dort an Wurzeln ausbilden kann, gibt ihr erst die Kraft, das zu entfalten, was über der Erde ist. Also: Das Nach-unten-Gehen ist die primäre Aktivität des I.
Nimm die Hände vor dein Herz und ströme mit beiden Händen langsam nach unten. Spüre, was du tun musst, dass dieses Nach-unten-Strömen deinen Körper aufrichtet. Ich nenne das das Pater-Noster-Prinzip: Es strömt nach unten, und als Folge dessen geht es auch nach oben.
Übertrage das auf die I-Gebärde. Nimm die Hände vors Herz, ströme mit einer Hand aktiv nach unten, und versuche, dass sich davon die andere Hand hebt. Deine Aktivität ist nach unten, und du 'streckst' die obere Hand durch das Nach-unten-Gehen. Du gehst tiefer und tiefer und tiefer - und dadurch hebst und streckst du den anderen Arm. Dann achtsam loslassen.
Mach es auch mit der anderen Hand: hinunter strömen, hinunter, hinunter, und die andere Hand steigt im Gegenstrom.
Du kannst das bis in die Füsse spüren: Auf den Fussballen geht es nach unten, und umgekehrt werden die Fersen leicht. Dann erst machst du I.
Heiterkeit mit Erdung
Auch die Heiterkeit-Figur zeigt diesen Gegenstrom, nur umgekehrt: Du strömst auf in Leichtigkeit, aber gleichzeitig dehnt sich das Gewand nach unten hin zur Erde.
Probier es mal: Du stehst, aktivierst Freude in dir, Leichtigkeit unter den Achseln. Der Wind trägt die Arme hinauf, es hebt dich. Und gleichzeitig spürst du die Zuwendung zur Erde. Und wie in der Septime sind deine Füsse so fein geworden, dass sie mehr das Geistige als das Materielle der Erde spüren.
Mache die I-Gebärde: «I»
Mache die Gebärde der Heiterkeit, so, dass du dabei innerlich nach unten schaust und dir dieses Hinunterschauen auch noch bewusst wird.
Die verschwebende Septime
Gehen wir zum Abschluss noch einmal zur Septime. Die Septime ist eigentlich der höchste Ton der Tonleiter. Danach kommt das, was wir schon kennen: der erste Ton, die Prim.
So ist die Septime auch so etwas wie ein erster Abschluss unserer Reise.
Darum gibt Rudolf Steiner die Anregung: Wenn man sich dem Geistigsten im Kosmos annähern möchte, soll man die Septime 'verschweben' lassen (➔ Das musikalische Halleluja). Probieren wir das mal: DO-SI
Nun strecken wir uns nicht nur nach einem Koffer, sondern der Koffer ist überall, ist drum herum. Und so wird es ganz leise und immer leiser: DO-SI-...
Dieses Verschweben ist getragen von innerer Heiterkeit und Gegründetheit und wird seinem Wesen nach zu einem Aufnehmen.
Wenn du dann loslässt und langsam zum Herzen zurückkommst, kannst du in deinem Herzen den wachen Zustand des mit der Septime 'im Kosmos Verschwebens' nachklingen lassen: DO-SI-...
Langsam loslassen, atmen und ruhig hinsetzen zum Nachlauschen.


















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