4. Die Quarte und die Seelengeste Gescheit
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Den vierten Ton der Tonleiter nennt man auch die Quarte. Die Seelengeste, die in Beziehung mit der Quarte steht, heisst «verflucht gescheit». Beim fünften Ton der Tonleiter, der Quinte, folgt dann die Seelengeste «Erkenntnis».

Einstimmung
Ich lade euch ein, alle mitzumachen. Als erstes sagen wir uns: Ich nehme mir Zeit, als wäre Zeit eine Substanz, um bei mir anzukommen. Ich lade sie ein in mein Inneres, benutze meine Sinne, um das Innere wahrzunehmen: meine Atembewegung, die Herzrhythmen, den Raum des Brustkorbs bis zu den Schulterblättern. Ich versuche so mit meinen Sinnen in mich hineinzuschauen, dass das Innere sich wahrgenommen fühlt, reagiert, sich ausdehnt, mich leicht macht und hebt. Diese Leichte und ihre Wärme lasse ich überfliessen und herabströmen bis tief in die Erde hinein. Und spüre, wie mich das aufrichtet und gross macht.
Wiederholung Do - Re - Mi
Wiederholen wir die Töne. Der erste war die Prim, der Grundton. Da bin ich ganz bei mir. Ich spüre mein Schlüsselbein wie das Dach und meinen Körper wie sein Haus. Do, Do.
Bei der Sekunde gehe ich vom Schlüsselbein hinaus in den Oberarm. Da entfaltet der Ton meinen hervorbringenden Willen. Do, Re. Und die Hände zeigen, wie viel Kraft ich im Oberarm habe. Do, Re.
Der dritte Ton strömt vom Schlüsselbein bis in den Unterarm und belebt dort mein Fühlen. Ich erlebe meinen seelischen Garten in all seiner Schönheit. Do-Mi.
Wenden wir den Unterarm in die fürsorgende Geste der Innigkeit, werden die Arme zu einer fürsorgenden Schale für das, was sich aus der Gedankenwelt in sie hereinsenkt. Und Hände und Finger runden sich zu vollkommener Hingabe. Do-Mi.
Die Quarte
Mit der Quarte komme ich zum Tor des Gartens.
Ich bin im Haus: Do. Ich trete hinaus: Re. Ich durchwandere den Garten: Mi. Ich komme ans Gartentor: Fa.
Wir erreichen mit der Quarte das Handgelenk. Und das Handgelenk richtet die Hand auf: Do-Fa.
Das Handgelenk bildet einen ersten Abschluss auf unserem Weg hinaus. Es stellt sich quer. Ich kann die Hand nach oben und unten klappen. Wenn ich die Hände langsam nach oben rotiere, ist das äusserlich ein Signal für Stopp. Doch innerlich schaue ich mit dem Handrücken noch einmal zurück. Do-Re-Mi-Fa.
Spüre den Unterschied, ob du die Handfläche aufstellst oder den Handrücken aufstellst, oder ob du vom Unterarm in das Handgelenk - in dieses Quergelenk - hineinschiebst. Mache es nicht so, dass du wie im Kampfsport Energie hindurchschickst, sondern so, dass du darin ankommst, sodass das Handgelenk sich weitet, und du darin Platz nimmst, um dich von dort her noch einmal anzuschauen.
Schlüsselbein (Do), Oberarm (Re), Unterarm (Mi), Handgelenk (Fa).
Was tut das in mir, wenn ich vom Handrücken zu mir zurückschaue? Versuche, dass du dich einerseits in deiner Begrenztheit - ein kleines Haus in einem grossen Garten - wahrnimmst, dass sich das andererseits aber sehr angenehm anfühlt. Also: Fühle dich gleichzeitig klein und zugleich wachsend, dich ausdehnend. Do - Re - Mi - Fa.
Bist du bereit, den Schritt zu machen? Nach draussen weiter zum nächsten Ton - oder willst du zu Hause bleiben? Was fühlst du? Do - Re - Mi - Fa.
Gescheit
Bei der Eurythmiefigur «verflucht gescheit» zeigt uns Steiner, was entsteht, wenn ich im Handgelenk verbleiben möchte. Dann verwende ich das Zurückschauen, um mich wahrzunehmen in dem, was ich habe. Ich bin zufrieden und sehr selbstbewusst: Ich bin ein Super-Baby!
Drehe dazu das rechte Handgelenk wie eine Schraube, führe es vor deine Brust und verstärke deine Zentrumsachse. Stemme die linke Hand als Faust in deine Taille und verstärke von dort her dein Selbstgefühl. Die rechte Hand wird spitz, die linke gewaltig - was in der Eurythmiefigur als schwarz angedeutet ist. Der Gedanke wird nicht dem Wachstum und dem Weiterschreiten ins Transzendente gewidmet, sondern dient der Selbstbestätigung, dem Ego: Ich bin verflucht gescheit.
Durch diese Betonung der Links-rechts-Fläche wird die Denkebene aktiviert: Drehe die Füsse so, dass sie in dieses Links-rechts schauen, und mache mit dem Gefühl eine starke Kreuzung von links und rechts, die sich in den Boden spitzt. Und dann geh in die Handgelenke: Ich bin verdammt gescheit!
Do-Re-Mi-Fa: Ich habe mein Ziel, das Gartentor, erreicht: Ich bin gescheit!
Übe das «Gescheit-Sein» ruhig mehrere Male, um dann den Unterschied zu spüren.
Die andere Quarte
Es geht auch anders: Ich mache mich auf den Weg in die Welt der Gedanken. Ich habe das Tor erreicht und sehe: Ich bin bereit, es zu durchschreiten.
Do - Re - Mi - Fa
Abschluss
Setze dich langsam hin und lausche dem Nachklang.


















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