5. Die Quinte und die Seelengeste Erkenntnis
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Zum fünften Ton der Tonleiter, der Quinte gehört die Seelengeste «Erkenntnis».

Einstimmung
Wie immer sagen wir uns als Erstes: Ich nehme mir Zeit, als wäre Zeit eine Substanz, um bei mir anzukommen. Ich lade sie ein in mein Inneres, benutze meine Sinne, um das Innere wahrzunehmen: meine Atembewegung, die Herzrhythmen, den Raum des Brustkorbs bis zu den Schulterblättern. Ich versuche so mit meinen Sinnen in mich hineinzuschauen, dass das Innere sich wahrgenommen fühlt, reagiert, sich ausdehnt, mich leicht macht und hebt. Diese Leichte und ihre Wärme lasse ich überfliessen und herabströmen bis tief in die Erde hinein. Und spüre, wie mich das aufrichtet und gross macht.
Wiederholung
- Der erste Ton ist die Prim, der Grundton. Da bin ich ganz bei mir. Ich spüre mein Schlüsselbein wie das Dach und meinen Körper wie sein Haus. Do-Do.
- Bei der Sekunde gehe ich vom Schlüsselbein hinaus in den Oberarm, in meinen geistig hervorbringenden Willen. Do-Re.
- Der dritte Ton strömt bis in den fühlenden Unterarm; ich erlebe meinen seelischen Garten. Do-Mi.
- Mit der Quarte ströme ich vom Schlüsselbein bis ins Handgelenk. Ich komme an und schaue zurück. Ich erlebe mich: Do-Fa.
Quinte
Sonnenaufgang
Steh zunächst einmal entspannt und lass die Arme links und rechts bei jedem Ton ein Stück höher steigen: Do-Re-Mi-Fa. Bei der Quinte wenden sich die Hände - Sol ...
Es ist wie ein Sonnenaufgang im Wald. Es ist dunkel, es wird heller, und dann siehst du die Sonne aufgehen - ganz langsam: Do-Re-Mi-Fa - - - Sol.
Kannst du den Sonnenaufgang bis in deinen Körper spüren? Do-Re-Mi-Fa - - - Sol.
Die Hand dreht den Arm
Das Besondere bei der Quinte ist nämlich, dass nicht der Arm die Hand dreht, sondern die Hand dreht den Arm:
Strecke deine Hand aus und gib ein wenig Spannung in die Handfläche. Drehe sie ganz langsam und spüre es bis in den Oberarm und weiter ins Schlüsselbein.
Probiere es auch mit der anderen Hand - es ist wie ein Schlüssel. Du steckst den Schlüsselbart (die Hand) ins Schlüsselloch, du drehst den Schlüssel, die Tür geht auf, und ein Raum öffnet sich. Dann lasse das, was du siehst, auf dich wirken.
Machen wir die Quinte in beide Richtungen: auf und zu. Wann will der Ton erklingen: Do-Re-Mi-Fa-Sol (auf) - Do (zu) - Sol (auf) ...
Erkenntnis
Aus der Quinte entsteht die Eurythmiegebärde «Erkenntnis».
Taste mit der rechten Hand weiter hinaus, als dein persönlicher Garten reicht. Wende deine Hand und führe sie zu dir, indem du den Oberarm an den Oberkörper heranführst. Die Unterarme werden aufrecht wie der Schaft einer Kerze und die Hände zu einer leuchtenden Flamme in der Nähe deiner Stirn,.
Mach dieses Hinaustasten in vollkommener Reinheit: Deine ganze Gestalt und Bewegung ist weiss. Gib der drehenden Hand eine achtsame, aber aktive Rolle - in der Eurythmiefigur ist sie orange - und vertraue ihrer «Wendekraft». Spüre, wie deine Hand das Mitgebrachte in deiner Stirn zum Erklingen bringt.
Die linke Hand führt auch etwas von aussen heran, wendet es dann aber so, dass es liebevoll beruhigend auf das vitale Leben unter dem Zwerchfell wirkt. Auch sie ist - wie der Ellenbogen - orange betont. Sie vermittelt dem intuitiven Raum unter dem Zwerchfell Entspannung, Gleichgewicht und ein stilles Bewusstsein.
Do-Re-Mi-Fa - Sol.
Spüre, wie ein gelber Schleier in keuscher Wachheit sich um deinen ganzen Körper legt und ihn belebt. Dein Körpergefühl ist weiss vom Kopf bis in die Füsse - offen und wach: Do - Sol.
Erkenntnis: Do - Sol.
Abschluss
Erlebe zum Abschluss noch einmal, wohin die Quinte dich führt, als Voraussetzung für eine Erkenntnis, die mehr ist als Gescheitheit.
- Sonnenaufgang: Do - Re - Mi - Fa - Sol (rechts und links aufsteigen bis zum Horizont, wenden der Hände).
- Als Weg durch den Garten: Schlüsselbein (Do), Oberarm (Re), Unterarm (Mi), Handgelenk, Zurückschauen (Fa), und jetzt drehen (Sol).
- Do - Re - Mi - Fa - Sol.
Setze dich langsam hin und lausche dem Nachklang.


















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